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Weingut Ankermühle – Rheingau mal anders

Der Rheingau ist schon eine dieser Weinbau-Gegenden mit sehr viel Tradition, was bedeutet: Neuerungen werden von den einen kategorisch abgelehnt und von den restlichen zumindest erst einmal skeptisch beäugt. Doch auch hier gibt es, so wie es im römischen Imperium eine handvoll widerspenstiger Gallier gab, einige experimentierfreudige Winzer, die es sich nich nehmen lassen, das volle Spektrum der Winzerskunst im Keller anzuwenden und die Tradition erst einmal außen vor lassen.

Einer dieser Winzer ist Jörn Goziewski, ein Jungspund unter den Winzern, der aber schon Erfahrung in Spanien und Neuseeland sammeln konnte, bevor er im Weingut Ankermühle in Oestrich-Winkel das Zepter in die Hand nahm. Hier, in dieser Villa Kunterbunt inmitten der Weinberge, gibt es keine Grenzen und Regeln. Und was einst ein Gutsausschank unter vielen war, profiliert sich heute als Geheimmtipp mit einer Menge erstaunlicher Tropfen.

Wir sind in der Ankermühle zum Abendessen eingekehrt und wurden dank einer kurzen Absprache über soziale Netzwerke quasi schon erwartet. Kurzum: Den ganzen Abend lang hat uns Jörn mit seiner Anwesenheit erfreut und uns durch das abwechslungsreiche Sortiment der Ankermühle geführt. Ein toller, feuchtfröhlicher Abend, der auch durch eine sehr schmackhafte Küche begleitet wurde. Diese liegt irgendwo zwischen bodenständig und avantgardistisch kreativ, herzhaft, aber auch mit originellen fruchtigen Akzenten. Alles ist hier irgendwie verspielt, hat aber auch Hand und Fuß – das könnte glatt das Credo des Hauses sein.

Ankermühle Gabriel 2010

Als erstes im Glas: Der wahrlich schöne 2010 er Gabriel Riesling. Ein Riesling, der zur Hälfte im Stückfass und zur anderen Hälfte im Edelstahltank vergoren wurde. Er zeigt eine wunderbar kräftige Säure, wie man sie von einem 2010er erwarten würde, die aber keineswegs brachial daherkommt, sich aber wunderbar mit der Frucht versteht. Auch wirkt dieser 2010er dezent laktisch, was ich jedoch in keinster Weise als störend empfinde: Der Touch BSA verleiht dem Wein im Grunde eine interessante Geschmeidigkeit, die ebenfalls einen willkommenen Kontrastpunkt zur Säure darstellt.

Der anschliessend probierte 2011er Gabriel wurde im Gegensatz zum Vorgängerjahrgang zu 100% in gebrauchten Barrique-Fässern vergoren, was man jedoch kaum in der Nase oder am Gaumen spürt. Der Wein zeigt sich insgesamt etwas knackiger, aber nicht weil die Säure kräftiger ist, sondern weil er “kompakter” ,”gebündelter” oder “wie aus einem Guß” erscheint. Momentan ist dieser etwas weniger schön zu trinken als der 2010er, doch wir waren uns am Tisch alle einig, dass er mit der Zeit zulegen wird, um den Vorgängerjahrgang letztendlich schon bald hinter sich zu lassen.

Ankermühle Maria 2011

Die 2011er Maria ist der feinherbe Vertreter unter den Gutsweinen. Ein Wein, der zur Häfte “spontan” vergoren wurde und den 14 Gramm Restzucker ordentliche 8,5 Gramm Säure entgegen zu setzen hat. Dies ergibt einen saftigen Riesling, der den Gaumen schmeichelt, ohne  dass jedoch die Spannung verloren geht. Ein absolut süffiger Spaßwein, der dem klassischen Rheingau Riesling (In diesem Weingut nicht in der traditionellen Jugenstil-Flasche ;=)) am ehesten entspricht und seine 8,50€ mehr als Wert ist.

Der 2011er Hase stammt aus der bekannten Lage Winkeler Hasensprung und wurde trocken ausgebaut im Stückfass von 1966. Ein sehr Rheingau-typischer Riesling zu dem ich mir die Stichwörter “rein”, “pur” und “filigran” notiere. Er wirkt ausserdem ingesamt straffer als die nachfolgende Jungfer.

2011 Jungfer Weingut Ankermühle

Die 2011 Jungfer (Hallgartener Jungfer) wurde zu 100% in gebrauchten französischen Barriques vergoren und wirkt stoffiger, voller und üppiger als der Hase Riesling, ohne jedoch irgendwelche störenden Holznoten zu zeigen. Eine leicht rauchige Ader verleiht dem Wein eine mysteriöse Anmutung. Ich vernehme auch einen Hauch Botrytis, die sich in diesem Fall sehr gut in das Gesamtbild des Weins einfügt.

2011 Hoelle Weingut Ankermuehle

Aus dem Laborglass eingeschenkt, gibt es dann eine Faßprobe der 2011er Hölle aus der gleichnamigen Lage in Johannisberg. Ein Wein, der in 3 gebrauchten, aber auch 2 neuen Barriques-Fässern vergoren wurde und das merkt man in diesem Fall deutlich. Die Holzprägung fällt recht intensiv aus, mit viel süßer Vanille und es dürfte noch eine Weile dauern bis dieser Wein Harmonie ausstrahlt. Ich bin sehr gespannt wie er sich entwickeln wird, ein endgültiges Urteil kann man momentan auf gar keinen Fall abgeben.

Barrique Faß Weingut Ankermuehle
Das Corpus Delicti: Französisches Barriquefaß feinster Machart

Es war nun an der Zeit, sich etwas die Beine zu vertreten und die Treppe in den Keller zu nehmen. Dort gibt es nicht nur interessante Einblicke in die Winzerskunst, sondern auch noch einen ganz jungen Tropfen zu probieren.

Keller

Bitch Tank Weingut Ankermühle

Denn in Jörns “Bitch Tank” blubbert jetzt noch der 2012er Gabriel – ein Wein der trockener und wilder sein wird als der Vorgängerjahrgang. Zumindest das konnte ich aus dieser Tankprobe definitv erkennen. Wie er nun letztendlich aus der Flasche schmecken wird, ist für mich noch nicht ganz abzusehen. Mein Bauchgefühl aber war sich schon ganz sicher, dass es ein spannender Tropfen wird.

Bier Kuehlschrank Weingut Ankermühle

Und auch Leckereien ganz anderer Art verbergen sich im Ankermühlen-Keller. Den Genießer erkennt man halt auch an seiner trefflichen Auswahl spannender Biere. Brooklyn Lager und Punk IPA – das sind Biere in die ich mich reinlegen könnte! (Wen’s interessiert: Meine Tour in 2010 durch einige Brauereien der amerikanischen Ostküste ist hier und hier nachzulesen.)

Übrigens soll auch das leckere Essen der Ankermühle nicht unerwähnt bleiben:


Links der Toast von der Wisper-Forelle hat es mir besonders angetan

Ultralecker die Artischocken Lasagne!

Und auch der Hauptgang, eine art Surf and Turf, in dem es zwichen einer Lachsforelle und einer Entenbrust ein spannendes Rote-Bete Risotto zu entdecken gibt, ist tadellos und schmeckt wunderbar.

Um noch einmal auf das Weingut zurückzukommen: Die Ankermühle ist eine ganz klare Bereicherung für die Region und stellt einen weiteren Farbklecks inmitten der einheitlichen rheingauer Weinwelt dar (neben anderen Farbklecksen wie der Garage Winery oder etwa den Weinen von PJ Kühn oder Dirk Würtz bei Balthasar Ress). Jörn kreiert individuelle Weine, die selbstverständlich die grundsätzliche Qqalität nicht vermissen lassen. Da er immer wieder neues ausprobiert und dadurch natürlich an Erfahrungen nicht ärmer wird, kann man sehr gespannt sein auf die weitere Entwicklung. Ich freue mich schon auf die  kommenden Abfüllungen.

Weingut und Restaurant Ankermühle:

Kapperweg
65375 Oestrich-Winkel
(unbedingt Wegbeschreibung auf der Webseite beachten)

Öffnungszeiten des Restaurants:

Winterhalbjahr Oktober – März:
Mo., Do., Fr., Sa. ab 17:00 Uhr
So., Feiertags ab 12:00 Uhr
Di./Mi. Ruhetag

Sommerhalbjahr April – September
Mo., Mi., Do., Fr. ab 17:00 Uhr
Sa., So., Feiertags ab 12:00 Uhr
Di. Ruhetag

im Januar geschlossen.
Tel: 06723 – 2407

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Categories: Germany,Rheingau

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