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Restaurant Carmelo Greco, Frankfurt – zwischen Klassik, Purismus und Modernität.

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Carmelo Greco ist in Frankfurt eigentlich schon lange eine bekannte Größe. Eine halbe Ewigkeit hat er erfolgreich  in der Osteria Enoteca im Stadtteil Rödelheim gekocht, wo er mit einem Michelin-Stern praktisch “dauergeadelt” wurde und den Ruf einer der besten italienischen Küchen des Landes inne hatte. (Vor Jahren war ich selbst auch einmal dort: Legendär die Türklingel am Eingang, sowie der mit unzähligen Flaschen Levi-Grappa gefüllte Schrank – die Osteria gibt es übrigens auch weiterhin).

Seit Ende 2010 kocht Carmelo Greco nun aber unter eigenen Namen in Frankfurt-Sachsenhausen, und was beim Betreten der Räumlichkeiten (die früher einmal das legendäre Bistro 77 beherbergten) als erstes auffält , ist die schiere Schönheit und Eleganz des Ortes. Man kann sich kaum eine geschmackvollere Einrichtung vorstellen. Edel ohne in Kitsch zu verfallen. Modern ohne kalt zu wirken. Es strahlt Wärme und Eleganz aus ohne einen gewissen Zeitgeist vermissen zu lassen. Hier und da sind auch nostalgische Elemente eingebaut, wie zum Beispiel der original französische “Zinc”, eine prachtvolle Zinntheke wie man sie in Deutschland selten sieht. Da hat jemand eine wahre Meisterleistung hingelegt, denn das ist vielleicht das schönste Restaurant in Frankfurt und ausserdem wohl für jeden Anlass passend: Hier kann man sich gleichermassen bei einem Date, einem Familienessen oder enfach mit Freunden wohlfühlen.

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Dies ist aber auch dem Service geschuldet, von dem man ebenfalls überaus freundlich empfangen wird. Überhaupt wird das Team den gesamten Abend hinweg nur positiv, durch hohe Kompetenz und Souveränität auffallen.

Doch wie sieht es mit dem Essen aus? Natürlich hat man, wenn ein Sternekoch ein neues Restaurant eröffnet eine gewisse Erwartungshaltung und eine bestimmte Messlatte im Kopf. Doch wenn man in solch einem schönen Rahmen angekommen ist, denkt man zuerst: Zurücklehnen, alles auf einen zukommen lassen und geniessen. Unsere Wahl fiel jeweils auf ein Chef- und ein Degustations-Menu,welche sich in einigen Gängen unterscheiden (zu 79 €).

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Noch zum exzellenten Glas Prosecco gibt es eine Amuse-Bouche-Trilogie. Intensiv nach Meer schmeckt der Seeigel auf cremiger Burrata. Erfrischend kühl und knusprig ein Margarita-Sorbet mit Krokant. Nur das Hörnchen mit San Daniele Creme und Iberico Streifen konnte mich eher weniger überzeugen, erinnerte es in Konsistenz und Geschmack doch zu sehr an Teewurst.

Mit diesem kuriosen Anfang wird uns klar, dass uns hier wohl eine moderne Interpretation der italienischen Küche erwartet. Doch dies geschieht hier offenbar nicht ohne immer wieder die klassischen rustikalen Fundamente der selbigen einzubringen: Als Brot erreicht uns leckeres hausgebackenes Focaccia in verschiedenen Variationen mit Sardelle, Oliven und Kartoffel – dagegen würde die beste Trattoria blass aussehen!

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Spargel – Parmesan Zabaione- Iberico Schinken erreicht mich als ersten Gang des Chef-Menu. Die Zabaione ähnelt einer intensiv nach Parmesan und leicht nach Citrus schmeckenden Carbonara-sauce, welche die perfekt gegarten Jakobsmuscheln wie Samt wohlig und weich bedeckt ohne jedoch einen grösseren Kontrast zu erwirken. Der schinken rundet mit seiner sanften Herzhaftigkeit das Bild noch zusätzlich ab. Nur die knackigen Spargelspitzen können einen texturellen Akkzent und somit einen kleinen Kontrastpunkt setzen. Insgesamt ist dieses Gericht dadurch eher dem wohligen Soulfood zuzuordnen. Hätte mir vielleicht erhofft, dass die schönen Jakobsmuscheln etwas mehr in den Vordergund rücken. Ich finde es immer wieder etwas schade, wenn solche Prachtstücke nicht eindeutig die erste Geige spielen.

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Und sogleich kommt wieder ein Sprung zurück ins klassische der italienischen Küche mit sehr puristisch inszenierten Ravioli mit Parmesan und Tomate. Wohl kaum kann eine Tomatensauce mehr nach Tomate schmecken: Sie strahlt förmlich. Gut gegart und wohl schmeckend auch die mit Parmesan gefüllten Ravioli. Dieser Zwischengang ist mit seiner leicht säurebtonten, fruchtigen art eine willkommene Nachfolge auf die “souligen” Jakobsmuscheln. Dennoch ist es was kreativität und Originalität angeht kein aufregendes Gericht. Es wirkt zwar unübertroffen italienisch, doch vielleicht wünscht man sich hier etwas mit mehr Definition oder einen besonderen Akkzent. Auch  fällt die Würzung sehr dezent aus. Purismus.

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Pasta-Variation von meinem Tischnachbar: Ravioli mit Spargel und auf Erbsenpurée.

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Als Bildhübsches Kunstwerk kommt dann Steinbutt, Erbse und Calamaretti auf den Tisch. Der Steinbutt ist in seiner Garung auf den Punkt. Ebenso der Calamaretto, selbst wenn diese mir scharf angebraten generell besser gefallen. Die Zesten von der Amalfi Zitrone bringen ihren unverwechselbaren mild-fruchtigen Geschmack mit ins Spiel. Die Erbsen sind als Purée im Tellerfonds und muten frisch und frühlingshaft an. Dazwischen befindet sich noch ein Stück Salzkartoffel. Insgesamt schmeckt mir das Gericht aber leider zu fahl. Einerseits könnte die Würzung etwas bestimmter sein und andererseits fehlt dem Gericht in seiner Zusammensetzung doch irgendwo der Kick. Harmonie ohne Reiz.

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Beim Tischnachbar auf dem Teller.

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Ein wahres Highlight, der empfohlene Rotwein. Der freundliche Sommelier hat uns diesen 2001er Serpico des Weinguts Feudi Di San Gregorio ans Herz gelegt, als Alternative zu einem 2005er Taurasi den wir im Auge hatten, von dem er uns aber ob seiner Jugend abriet. Eine goldrichtige Empfehlung. Bisher kannte ich die Rebsorte Aglianico nur in einfachen Weinen und somit bot diese auf den Punkt gereifte Flasche ein wahres Aha-Erlebnis. Dicht, kraftvoll, intensiv, dennoch mit perfekter Balance und mit gekonntem Holzeinsatz, der den Wein nicht zu modern wirken ließ.

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Zum niederknien dann die Kalbsbacken: Das Fleisch auf der Zunge schmelzend und ohne jegliche Sehne oder Fettrand. Die Nebbiolo-Sauce ist ein wahrer Traum, intensiv und mit einer leichten Säure; sie schmeckt in der Tat wie fleischgewordener Nebbiolo. Besser kann man ein Sauce für ein Schmorgericht nicht hinkriegen! Und dazu der Serpico: Willkommen im 7. Himmel.

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Bei meinem Gegenüber: Der Rücken vom Limousin Lamm. Ein perfekt gegartes Prachtstück, doch auch hier fehlt mir wieder die etwas mutigere Würzung. Das kleine Kartoffel-Gratin ist makellos, so auch die reinsortig schmeckende gratinierte Zwiebel. Warum das Pfifferling-Mousse in einer bestenfalls geschmaksneutralen Teighülle verpackt ist, bleibt aber das Geheimnis der Küche.

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Perfekt dann das Melonen-Sorbet mit Cantaloupe. Nur dezent gesüsst, fast gurkenartig und daher sehr erfrischend. Genau was man an dieser Stelle braucht.

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Da noch etwas Wein übrig war, tauschte ich mein Dessert in eine italienische Käseplatte, was ohne weiteres möglich war. Überhaupt gebührt dem souveränen und freundlichen Service ein dickes Lob.

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Als finalen Gruß aus der Küche gibt es abschliessend noch eine gelungene Dessert-Trilogie .

Einen wirklich schönen Abend haben wir im Carmelo Greco verbracht. In den umwerfenden Räumlichkeiten fühlt man sich sofort wohl und der ausgezeichnete Service tut sein übriges.

Zur Küche gibt es natürlich etwas mehr zu sagen.

Zum einen ist es sehr lobenswert, dass nur hervorragende Produkte Verwendung finden, vom getrockneten Schinken über Tomaten und Zitronen bis hin zum Limousin Lamm und dem Käse, alles die hochwertigsten Vertreter Ihrer Gattung, man schmeckt es.

Auch gefällt mir wie die Stile variert werden. Fröhlich wird vom rustikal-mediterranen zu etwas moderneren Kreationen gewechselt. Es zeigt einerseits wie tief die italienische Küche in regionale Spezialitäten verankert ist, aber auch was möglich ist wenn man versucht mit deren Zutaten zu spielen.

Jedoch scheinen mir die etwas moderneren Interpretationen noch ein Stück zu unausgetüftelt, fehlen mir doch manchmal die deutlicheren Kontraste. Auch für die klassischen Gerichte, selbst wenn sie “puristisch” erscheinen sollen, wünsche ich mir vielleicht etwas mehr Mut zur Würzung.

Dennoch ist Carmelo Greco auf einem sehr gutem Weg. Ob sein Restaurant schon einen Michelin-Stern wert ist oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich bin auf jeden fall gespannt was am Ende des Jahres passieren wird und drücke fest die Daumen. Meines Erachtens fehlt noch ein Quentchen, aber andererseits kann man es vielleicht auch auf das momentane Menu oder die Tagesform zurückführen. Wenn ich andere Menus betrachte die online besprochen wurden, wie dieses hier zum Beispiel, läuft mir sofort wieder das Wasser im Mund zusammen!

Restaurant Carmelo Greco

Ziegelhüttenweg 1-3
60598 Frankfurt
Tel.: +49 (69) 606 089 67
Fax: +49 (69) 606 089 84


Öffnungszeiten:

Montag-Freitag, von 12.00-14.00 Uhr und 18.30-22.00 Uhr
Samstag, 18.30-22.00 Uhr

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  1. BerlinKitchen Said,

    Oh ja, die Kalbsbäckchen sehen toll aus! Und dazu ein “Serpico”……YUM, YUM

  2. Blindtaster Said,

    ..und ein perfektes “Sommergericht”, in diesem verregneten Sommer! ;)

  3. Sternefresser Said,

    Großartige Besprechung eines großartigen Restaurants. Applaus!

  4. Blindtaster Said,

    muchas gracias, Sternefresser! :P

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